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Werkzeugvergleich: MathWorks Stateflow vs. IBM Rhapsody vs. itemis CREATE

Axel Terfloth Axel Terfloth 6 Min. Lesezeit
Werkzeugvergleich: MathWorks Stateflow vs. IBM Rhapsody vs. itemis CREATE

Dieser Beitrag ist ein reiner Werkzeugvergleich. Wer zuerst verstehen möchte, was Statecharts sind und wie sie funktionieren, findet eine ausführliche Einführung auf statecharts.online. Wer direkt zu Funktionsumfang und Lizenzmodell von itemis CREATE möchte, gelangt über die itemis CREATE Produktseite dorthin.

Reaktives, ereignisgesteuertes Verhalten steckt im Kern der meisten eingebetteten Systeme: ein medizinisches Beatmungsgerät, das Atemzyklen steuert, ein Automotive-ECU, das Sicherheitsreaktionen koordiniert, eine industrielle Steuerung, die Prozessschritte sequenziert. Irgendwann muss jedes Team, das solche Software entwickelt, entscheiden, wie es zustandsbasierte Logik modelliert und implementiert — und die Wahl des Werkzeugs prägt Produktivität, Codequalität und Zusammenarbeit für Jahre.

Drei Werkzeuge tauchen in Engineering-Teams dieses Bereichs regelmäßig auf: MathWorks Stateflow, IBM Engineering Rhapsody und itemis CREATE. Allen gemeinsam ist das Thema Statecharts — doch sie vertreten sehr unterschiedliche Philosophien darüber, was ein Statechart-Werkzeug leisten soll.

Dieser Beitrag beleuchtet alle drei genau: was sie bieten, wo sie sich unterscheiden und was sie tatsächlich kosten.


Ein Hinweis zur Transparenz

itemis CREATE ist unser Produkt. Wir haben es entwickelt, wir setzen es in Kundenprojekten ein, und wir stehen dahinter — das prägt natürlich unsere Perspektive. Wir haben uns bemüht, diesen Vergleich fair und sachlich zu gestalten, aber du solltest wissen, von welchem Standpunkt aus wir urteilen. Wo wir uns gegenüber einem Mitbewerber günstiger bewerten, legen wir die Begründung offen dar, damit du sie selbst einordnen kannst.


Drei Werkzeuge, drei Philosophien

MathWorks Stateflow ist ein Add-on für MATLAB und Simulink. Es ist tief im MathWorks-Ökosystem verwurzelt — das ist seine größte Stärke und gleichzeitig seine deutlichste Einschränkung. Teams, die Simulink bereits für die Regelungstechnik einsetzen, profitieren von nahtloser Simulation und Codegenerierung über ihr gesamtes Modell. Teams, die das nicht tun, müssen den vollständigen Stack erwerben, nur um Statecharts nutzen zu können.

IBM Engineering Rhapsody ist kein reines Statechart-Werkzeug — es ist eine vollständige UML/SysML-Modellierungsumgebung. Statecharts sind nur einer von vielen Diagrammtypen, neben Klassendiagrammen, Sequenzdiagrammen, Aktivitätsdiagrammen und AUTOSAR-Unterstützung. Diese Breite macht es für große, spezifikationsgetriebene Systems-Engineering-Projekte geeignet. Für eingebettete C/C++-Codegenerierung zur Laufzeit ist in der Regel ein separates Framework von SodiusWillert (RXF) erforderlich, was Kosten und Integrationsaufwand erhöht.

itemis CREATE (ehemals YAKINDU Statechart Tools) ist speziell für Statechart-Modellierung, Simulation und Codegenerierung entwickelt worden. Der Scope ist bewusst schmaler als der von Rhapsody — das Werkzeug tut eine Sache und tut sie gut. Es unterstützt C, C++, Java, Python, C# und SCXML, läuft als Desktop-Anwendung, VS-Code-Extension und Web-App und richtet sich an das gesamte Spektrum vom Bare-Metal-Mikrocontroller bis zur JVM-basierten Serverkomponente.


Detaillierter Funktionsvergleich

FeatureStateflow (MathWorks)IBM Rhapsodyitemis CREATE
ZielgruppeRegelungs- und Systemingenieure in MATLAB/Simulink-basierten WorkflowsSystemarchitekten und -ingenieure in sicherheitskritischen, spezifikationsgetriebenen UmgebungenSoftwareentwickler und -architekten, interdisziplinäre Entwicklungsteams, Rapid Prototyping
Lernkurve⚠️ Moderat — leistungsstark für Regelungsingenieure, aber weniger zugänglich für Softwareentwickler oder funktionsübergreifende TeamsHoch — hohe Einstiegshürde durch UML/SysML-Komplexität; formale Schulung und langes Onboarding erforderlichFlach — intuitive Modellierungsoberfläche, gute Dokumentation, schnelles Onboarding
Lizenzmodell⚠️ Nur kommerziell, modulare Preisgestaltung. Versteckte Kosten für viele wesentliche Funktionen.⚠️ Hochpreisig, Enterprise-Lizenzierung. Typischerweise langfristige Bindungen erforderlich.Transparent, voller Funktionsumfang in einer Lizenz.
Umfang der Modellierungsumgebung⚠️ Statecharts & Blockdiagramme — leistungsstark für Signalflussmodellierung, aber Overhead bei reiner Statechart-Logik⚠️ Breiter UML-Scope — nützlich für Systemarchitekten, aber zu generisch und überladen für fokussierte ImplementierungReine Statecharts — zweckorientiert, saubere Trennung der Logik, vollständige SCXML-Konformität, optionale Code-Annotationen
Plattformverfügbarkeit⚠️ Desktop und Web — erfordert MATLAB/Simulink-Suite oder Simulink OnlineNur DesktopDesktop, Web-App, VS-Code-Extension
Anpassbarkeit und Erweiterbarkeit⚠️ Eingeschränkte Anpassung — hauptsächlich über MATLAB-Skripte und proprietäre Erweiterungen⚠️ Erweiterbar, aber stark an das IBM-Ökosystem gebundenOffene APIs, vollständig anpassbare Codegeneratoren, erweiterbare textuelle DSLs
Grafischer Editor⚠️ Gut mit Simulink integriert, aber unübersichtlich für Nicht-Regelungsingenieure⚠️ Voll ausgestatteter Editor, aber optisch veraltet und weniger intuitivSaubere, leichtgewichtige, intuitive Benutzeroberfläche
Simulation & visuelles DebuggingSehr leistungsstarke Simulation — erfordert den vollständigen MATLAB/Simulink-Stack und Konfigurationsaufwand⚠️ Debugging möglich, aber komplexes Setup und eingeschränkte Interaktivität; Visualisierung wenig unmittelbarEingebaute Simulation, intuitiv und schnell
Codegenerierung⚠️ C/C++ über Simulink Coder (optionales Add-on)⚠️ Generiert C (optional C++) mit IBM-spezifischen Mustern — weniger Kontrolle über Struktur, Lesbarkeit oder PortabilitätGeneriert sauberen, portablen Code in C, C++, Java, Python, C# — kein Vendor-Lock-in
SCXML-Unterstützung❌ Nein❌ Nein✅ Ja
Integration mit handgeschriebenem Code⚠️ Unterstützt den Aufruf externer C-Funktionen — Integration auf vordefinierte Schnittstellen begrenzt, abhängig von Simulinks Build-Umgebung⚠️ Unterstützt den Aufruf externer C-Funktionen — enge Kopplung macht iterative Entwicklung weniger praktikabelTiefe Integration mit handgeschriebenem C/C++- und Java-Code — Modell und Code Seite an Seite für kooperative Entwicklung
Verifikation & ValidierungSimulink Design Verifier, Simulink Coverage (optionale Toolboxen) — fortgeschrittene V&V möglich, aber separate Toolboxen und tiefes Simulink-Wissen nötig⚠️ Model Checking, Konsistenzprüfungen, Testintegration — für Entwickler weniger zugänglich; Setup- und Nutzungskomplexität deutlich höherLive-Validierung, eingebautes Test-Framework SCTUnit, Coverage-Analyse (SCov)
Hierarchische Modellierung✅ Composite States und parallele, interagierende Zustandsmaschinen✅ Composite States und parallele, interagierende Zustandsmaschinen✅ Composite States und parallele, interagierende Zustandsmaschinen
Zusammenarbeit & Multi-User-Support⚠️ Kollaboration über Simulink ProjectsZentralisierte Multi-User-Infrastruktur, Repository- und LizenzverwaltungGit/SVN-Integration, modellbasierte Diff- & Merge-Tools inklusive
Web-Einbettbarer Player / Interaktive Dokumentation❌ Nicht unterstützt❌ Nicht unterstütztDynamischer Export als interaktiver HTML-Player — verwandelt Modelle in lebendige Dokumentation, einbettbar in Jira, DOORS oder Wikis
Headless-Codegenerierung / CI-Integration⚠️ Ja — erfordert MATLAB-Lizenzierung auf Build-Agents, komplexes Scripting und hohen Ressourcenbedarf zur Laufzeit⚠️ Ja — Kommandozeilenintegration möglich, erfordert aber Wrapper-Skripte und tiefes WerkzeugwissenEinfache, konfigurierbare Headless-Codegenerierung über CLI/CI

Was die Tabelle nicht zeigt: Preise

Funktionsvergleiche können verdecken, dass diese Werkzeuge sehr unterschiedlichen Preissegmenten angehören. Hier sind die relevanten Zahlen, basierend auf öffentlich verfügbaren Informationen und Sekundärquellen (mit * markierte Angaben stammen aus Sekundärquellen und sind nicht herstellerseitig bestätigt):

Stateflow (vollständiger Stack)IBM Rhapsody Developer + RXFitemis CREATE
Jährliche Kosten pro Arbeitsplatz≥ 5.000 € / Jahr* (MATLAB + Simulink + Stateflow + Embedded Coder)~2.800–6.800 € / Jahr* (Rhapsody-Abo + RXF)1.350 € / Jahr
Dauerlizenz (Kauf)~7.850 € + 1.413 € / Jahr Support (ohne Embedded Coder)~6.000–10.000 € + ~20 % Wartung p.a.*Verfügbar (Single/Floating/Dongle)

Um den Kostenunterschied konkret zu machen: Für ein Team aus drei Entwicklern über ein dreijähriges Projekt vergleichen sich die reinen Werkzeuglizenzkosten ungefähr so:

Werkzeug3 Entwickler × 3 JahreHinweis
MathWorks Stateflow≥ 45.000 $*Voller Stack je Entwickler erforderlich
IBM Rhapsody + RXF~20.000–30.000 €*Zzgl. einmaliger RXF-Lizenz je Arbeitsplatz
itemis CREATE~12.150 €Skaliert mit Teamgröße und Projektlaufzeit

Der Stateflow-Stack kostet über einen typischen Projektzyklus mehr als das Dreifache — ein Unterschied, der noch stärker ins Gewicht fällt, wenn man bedenkt, dass viele Teams Stateflow nur für Statechart-Modellierung benötigen und dabei für die gesamte Simulationsplattform drumherum zahlen.


Welches Werkzeug für welchen Kontext?

Stateflow wählen, wenn das Team bereits tief im MATLAB/Simulink-Ökosystem verwurzelt ist — etwa beim modellbasierten Reglerentwurf, wo kontinuierliche Simulation und diskrete Zustandslogik eng verzahnt sein müssen. Wer neu anfängt und primär Zustandsmaschinen braucht, zahlt für den gesamten Stack einen erheblichen Aufpreis.

IBM Rhapsody wählen, wenn es sich um ein großes, spezifikationsgetriebenes Systems-Engineering-Projekt handelt, das die volle Breite von UML und SysML benötigt — Use-Case-Modellierung, Klassenhierarchien, Sequenzdiagramme, AUTOSAR-Integration — und Statecharts nur eine Komponente eines umfassenderen Modellierungsvorhabens sind. Dabei sind zusätzliche RXF-Lizenzkosten und Integrationsaufwand in eingebetteten Kontexten einzuplanen.

itemis CREATE wählen, wenn der primäre Bedarf Statechart-Modellierung mit sauberer, portabler Codegenerierung für eingebettete Ziele oder JVM-basierte Systeme ist. Es eignet sich besonders für interdisziplinäre Teams, in denen Hardware-Experten, Softwareentwickler und Fachdomänen-Spezialisten über gemeinsame Modelle kommunizieren müssen. Das Einzellizenz-Preismodell, die flache Lernkurve und der CI-fähige Headless-Generator machen es zur praktischen Wahl für Teams, die schnell vorankommen wollen, ohne einen komplexen Werkzeug-Stack zu verwalten.


Interesse an itemis CREATE? Funktionsumfang, Lizenzmodelle und Einsatzszenarien auf einen Blick: itemis CREATE →

Axel Terfloth

Principal Engineer

Axel Terfloth ist Principal Engineer bei itemis mit Schwerpunkt auf modellbasierter und modellgetriebener Entwicklung technischer und eingebetteter Systeme sowie Product Owner von itemis CREATE. Seit 2001 beschäftigt er sich mit modellgetriebener Softwareentwicklung – seit 2006 bei itemis, wo er Kunden bei der Einführung und Erweiterung modellbasierter Entwicklungsmethoden begleitet und die dafür notwendigen Werkzeuge und Werkzeugintegrationen aufbaut. Zu diesen Themen spricht er auf Fachkonferenzen und veröffentlicht Fachartikel.

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