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Attack Feasibility (Angriffsdurchführbarkeit)

Die Attack Feasibility (Angriffsdurchführbarkeit) bewertet nach ISO/SAE 21434, wie leicht sich ein Angriffspfad durchführen lässt. Das Ergebnis ist der Attack Feasibility Level (AFL) auf einer vierstufigen Skala von very low bis high. Anders als die Safety-Welt rechnet die Security-Bewertung nicht mit Eintrittswahrscheinlichkeiten: Angreifer würfeln nicht, sondern wählen den Weg mit dem geringsten Aufwand. Bewertet wird deshalb, was ein Angriff einen Angreifer kostet.

Drei Bewertungsansätze

Die Norm stellt drei Ansätze zur Wahl. Der Attack-Potential-Ansatz bewertet jeden Angriffsschritt anhand von fünf Faktoren: benötigte Zeit, Fachwissen, Kenntnis des Items, Gelegenheitsfenster und Ausrüstung; die Methodik ist an ISO 18045 und die Common-Criteria-Bewertung angelehnt und in der Konzeptphase am verbreitetsten. Der CVSS-Ansatz nutzt die Exploitability-Metriken des Common Vulnerability Scoring System und bietet sich an, wenn konkrete Schwachstellen bekannt sind. Der Attack-Vector-Ansatz unterscheidet vereinfachend nur nach dem Zugangsweg — von Netzwerk-erreichbar bis physischer Zugriff — und eignet sich für frühe, grobe Einschätzungen.

Die Rolle in der Risikobestimmung

In der Threat Analysis and Risk Assessment (TARA) wird zu jedem Bedrohungsszenario die Durchführbarkeit der zugehörigen Angriffspfade bewertet. Da der leichteste Pfad die Bewertung bestimmt, gilt: Der AFL eines Bedrohungsszenarios ist der höchste AFL seiner Pfade. Zusammen mit dem Impact Level des Schadensszenarios ergibt sich über die Risikomatrix der Risk Level — und damit die Grundlage der Behandlungsentscheidung: reduzieren, vermeiden, teilen oder akzeptieren.

Attack Feasibility in der Praxis

Die Einzelbewertung eines Angriffsschritts ist überschaubar; anspruchsvoll ist die Konsistenz. Derselbe Angriffsschritt taucht in vielen Pfaden auf und muss überall gleich bewertet sein, und bei UND-Verknüpfungen addieren sich Aufwände, während bei ODER-Alternativen der leichteste Weg zählt. Diese Aggregation über verzweigte Pfade hinweg von Hand konsistent zu halten, überfordert Tabellen schnell. Für belastbare Analysen nach ISO/SAE 21434 bewährt sich deshalb eine berechnete Bewertung, bei der sich Änderungen an einem Schritt automatisch auf alle betroffenen Pfade auswirken — mehr dazu in unserem Artikel zur TARA.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Warum bewertet die Norm Durchführbarkeit statt Wahrscheinlichkeit?
Weil Angreifer nicht würfeln. Zufällige Ausfälle lassen sich mit Eintrittswahrscheinlichkeiten beschreiben, absichtliche Angriffe nicht: Ein motivierter Angreifer führt einen Schritt durch, sobald er ihn sich leisten kann. Bewertet wird deshalb der Aufwand, den ein Angriff erfordert — je niedriger der Aufwand, desto höher die Durchführbarkeit.
Welche Bewertungsansätze erlaubt die ISO/SAE 21434?
Drei: den Attack-Potential-Ansatz mit den Faktoren Zeit, Fachwissen, Systemkenntnis, Gelegenheitsfenster und Ausrüstung (angelehnt an ISO 18045 / Common Criteria), den CVSS-Ansatz auf Basis der Exploitability-Metriken und den vereinfachten Attack-Vector-Ansatz, der nur nach dem Zugangsweg unterscheidet. Die Norm schreibt keinen der drei vor.
Ändert sich die Attack Feasibility über die Zeit?
Ja, und zwar fast immer nach oben: Neue Werkzeuge, veröffentlichte Exploits und neues Wissen senken den Aufwand eines Angriffs. Ein Pfad, der zur Konzeptphase als schwer durchführbar galt, kann Jahre später trivial sein. Deshalb verlangt die Norm fortlaufende Aktivitäten, in denen bestehende Bewertungen gegen neue Ereignisse geprüft werden.
Fachlich geprüft von Jens Bühl, Product Owner am 21. August 2026