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AUTOSAR (AUTomotive Open System ARchitecture)

Das AUTOSAR (AUTomotive Open System ARchitecture)-Konsortium ist eine weltweite Entwicklungspartnerschaft von Fahrzeugherstellern, Zulieferern und Anbietern von Software und Entwicklungswerkzeugen, gegründet 2003. Sie definiert eine standardisierte Softwarearchitektur für Steuergeräte im Fahrzeug. Das Ziel: Softwarekomponenten sollen über Hersteller-, Zulieferer- und Plattformgrenzen hinweg wiederverwendbar sein — nach dem Leitsatz „Cooperate on standards, compete on implementation“.

Grundidee: Architektur standardisieren, Implementierung differenzieren

Vor AUTOSAR war Steuergeräte-Software eng mit der jeweiligen Hardware verwoben: Ein Wechsel des Mikrocontrollers oder des Zulieferers bedeutete aufwendige Portierung. AUTOSAR entkoppelt die Anwendungssoftware von der Hardware durch eine geschichtete Architektur mit standardisierten Schnittstellen: Anwendungs-Softwarekomponenten kommunizieren über eine Laufzeitumgebung (RTE) mit der darunterliegenden Basissoftware, die Betriebssystem, Kommunikation und Hardwarezugriff kapselt. Softwarekomponenten werden dadurch zwischen Steuergeräten verschiebbar, und OEMs können Komponenten verschiedener Zulieferer in einem Steuergerät integrieren. Das standardisierte Austauschformat ARXML macht die Architekturbeschreibung zwischen den Werkzeugen und Organisationen austauschbar.

Classic und Adaptive Platform

AUTOSAR umfasst heute zwei Plattformen für unterschiedliche Klassen von Steuergeräten:

PlattformZielsystemeCharakteristik
Classic PlatformTief eingebettete Steuergeräte mit harten Echtzeitanforderungen — z. B. Motorsteuerung, BremssteuergerätStatisch konfiguriert: Tasks, Kommunikation und Speicherlayout stehen zur Entwicklungszeit fest
Adaptive PlatformHochleistungsrechner, etwa für automatisiertes Fahren und vernetzte FunktionenPOSIX-basiert, serviceorientierte Kommunikation, Applikationen zur Laufzeit ladbar und aktualisierbar

Beide Plattformen existieren parallel — moderne Fahrzeuge kombinieren typischerweise viele Classic-Steuergeräte mit wenigen Adaptive-Hochleistungsrechnern.

AUTOSAR ist durch und durch modellbasiert

AUTOSAR-Entwicklung ist im Kern modellbasierte Entwicklung: Softwarekomponenten, Schnittstellen und Systemtopologie werden als Modelle beschrieben, als ARXML ausgetauscht und von Konfigurations- und Generierungswerkzeugen weiterverarbeitet — etwa zur Generierung der RTE und der Basissoftware-Konfiguration. Auch der Standard selbst wird modellbasiert gepflegt: Das AUTOSAR-Konsortium erzeugt seine Spezifikationsdokumente aus einem umfangreichen Enterprise-Architect-Modell, das seit 2020 über die EA-Bridge headless in einer CI-Pipeline ausgelesen wird.

AUTOSAR in der Praxis: Die Toolchain ist die eigentliche Aufgabe

AUTOSAR standardisiert Architektur und Austauschformate — nicht die Werkzeugkette. In realen Projekten verteilt sich die Entwicklung über viele Werkzeuge: das Architekturmodell in einem Modellierungswerkzeug, Anforderungen in DOORS oder Jama, Basissoftware-Konfiguration und Code-Generierung in spezialisierten Tools, Tests wieder woanders. Da AUTOSAR-Projekte fast immer sicherheitsrelevante Funktionen betreffen, verlangen Normen wie die ISO 26262 zusätzlich lückenlose Nachvollziehbarkeit von der Anforderung bis in den Code. Genau diese Durchgängigkeit über Werkzeuggrenzen hinweg ist erfahrungsgemäß die größte praktische Hürde — und der Grund, warum Toolchain Integration in AUTOSAR-Projekten kein Nebenschauplatz ist, sondern Kernaufgabe.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen AUTOSAR Classic und AUTOSAR Adaptive?
Die Classic Platform ist für tief eingebettete Steuergeräte mit harten Echtzeitanforderungen ausgelegt — die gesamte Konfiguration steht zur Entwicklungszeit fest. Die Adaptive Platform zielt auf Hochleistungsrechner etwa für das automatisierte Fahren: POSIX-basiert, serviceorientiert, mit zur Laufzeit ladbaren Applikationen. Beide Plattformen existieren parallel, oft im selben Fahrzeug.
Was ist ARXML?
ARXML ist das XML-basierte Austauschformat für AUTOSAR-Modelle. Es beschreibt unter anderem Softwarekomponenten, Schnittstellen, Systemtopologie und Konfiguration und ermöglicht den Datenaustausch zwischen den Werkzeugen verschiedener Hersteller — und zwischen OEM und Zulieferer.
Braucht man für AUTOSAR ein spezielles Modellierungswerkzeug?
Ja, AUTOSAR ist ein proprietärer Modellierungsansatz, der eine spezifische Modellierungsumgebung benötigt. Prinzipiell wäre es zwar auch möglich, das ARXML-Austauschformat zu editieren, aber das ist meist nicht zielführend, da AUTOSAR massiv auf die Generierung von Quellcode setzt, um die architektonische Entkopplung der Komponenten im Rahmen einer C-basierten Implementierung umsetzen zu können (die Integrationsschicht wird vollständig aus den Architekturmodellen generiert), und die entsprechenden Code-Generatoren als Bestandteil in die Modellierungsumgebung integriert sind.

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Fachlich geprüft von Dr. Alexander Nyßen, Executive Vice President Digital Engineering am 20. Juli 2026