Zum Hauptinhalt springen

CAL (Cybersecurity Assurance Level)

Der CAL (Cybersecurity Assurance Level) ist das Klassifizierungsschema der ISO/SAE 21434 mit vier Stufen von CAL 1 bis CAL 4. Er beantwortet nicht die Frage, welche Sicherheitsmaßnahmen ein Item braucht — das leistet die Risikoanalyse —, sondern mit welcher Strenge die Cybersecurity-Aktivitäten durchgeführt und nachgewiesen werden: je höher der CAL, desto höher die Anforderungen etwa an Prüftiefe, Methodik und Unabhängigkeit der Verifikation.

Bestimmung des CAL

Der CAL wird in der Konzeptphase bestimmt, typischerweise je Cybersecurity Goal. Eingang finden zwei Größen des zugrunde liegenden Bedrohungsszenarios: der Impact des zugehörigen Schadensszenarios und der Angriffsvektor, also der Zugangsweg, über den der Angriff möglich ist. Ein hoher möglicher Schaden in Kombination mit einem leicht erreichbaren Vektor — etwa über das Netzwerk statt nur mit physischem Zugriff — führt zu einem hohen CAL. Anders als der Attack Feasibility Level, der sich mit jeder neuen Schwachstelle ändern kann, bleibt der CAL über die Entwicklung hinweg weitgehend stabil: Der Angriffsvektor ist eine Eigenschaft der Architektur, nicht der aktuellen Bedrohungslage.

Einordnung: informativ, aber praktisch relevant

Das CAL-Schema steht im informativen Anhang E der Norm und ist damit formal eine Empfehlung. Praktisch relevant wird es über die Lieferkette: OEMs geben den CAL zunehmend in Lastenheften und Cybersecurity Interface Agreements vor, und Zulieferer müssen die geforderte Prozess-Strenge nachweisen. Der CAL wird damit zur gemeinsamen Sprache dafür, wie viel Absicherungsaufwand ein Entwicklungsgegenstand rechtfertigt.

Parallele zum ASIL

Die Idee eines gestuften Levels stammt erkennbar vom ASIL der ISO 26262. Der Unterschied liegt im Charakter: Der ASIL ist normativ und steuert direkt die technischen und methodischen Anforderungen an die Umsetzung; der CAL steuert die Strenge der Absicherung, also wie gründlich Aktivitäten wie Review, Test und Analyse durchzuführen sind. Wie CAL, TARA und die übrigen Bausteine der Norm zusammenspielen, zeigt die Spoke-Seite zu Cyber Security.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Ist der CAL verpflichtend?
Nein. Das CAL-Schema steht im informativen Anhang E der ISO/SAE 21434 und ist damit eine Empfehlung, kein normatives Muss. In der Praxis wird es trotzdem relevant, weil OEMs den CAL zunehmend in Lastenheften und Cybersecurity Interface Agreements vorgeben und Zulieferer die geforderte Prozess-Strenge nachweisen müssen.
Wie wird ein CAL bestimmt?
In der Konzeptphase aus zwei Größen des Bedrohungsszenarios: dem Impact des zugehörigen Schadensszenarios und dem Angriffsvektor, also dem Zugangsweg des Angriffs. Je schwerer der mögliche Schaden und je leichter erreichbar der Vektor — etwa über das Netzwerk statt nur physisch —, desto höher der CAL.
Was ist der Unterschied zwischen CAL und ASIL?
Beide stufen Anforderungen an die Entwicklung, aber unterschiedlich: Der ASIL der ISO 26262 ist normativ und steuert direkt die Anforderungen an die Umsetzung. Der CAL ist informativ und steuert die Strenge der Absicherungs-Aktivitäten, etwa Prüftiefe und Unabhängigkeit der Prüfer. Der ASIL wird zudem aus dem Risiko einer Fehlfunktion abgeleitet, der CAL aus Schadensausmaß und Angriffsvektor.
Fachlich geprüft von Jens Bühl, Product Owner am 21. August 2026