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Cloud-Migration

Cloud-Migration bezeichnet die Verlagerung von Anwendungen, Daten und Infrastruktur aus dem eigenen Rechenzentrum in eine Cloud-Umgebung. Das Spektrum reicht vom unveränderten Umzug (Rehosting) bis zum Cloud-Native-Neuaufbau — welcher Weg trägt, hängt von Anwendung, Regulatorik und Wirtschaftlichkeit ab.

Migrationsstrategien im Überblick

Ein verbreitetes Ordnungsschema unterscheidet sechs Strategien — die „6 R“:

StrategieVorgehenTypischer Einsatz
Rehost (Lift-and-Shift)Anwendung unverändert auf Cloud-Infrastruktur verschiebenschneller Rechenzentrums-Ausstieg, wenig Nutzen darüber hinaus
Replatformpunktuelle Anpassungen, z. B. Wechsel auf eine Managed DatabaseBetriebsaufwand senken bei moderatem Aufwand
Refactor / Re-ArchitectUmbau auf eine Cloud-Native-Architekturstrategische Kernsysteme mit langer Restlebensdauer
RepurchaseAblösung durch ein SaaS-ProduktStandardfunktionen ohne Differenzierungswert
RetireAnwendung abschaltenungenutzte oder redundante Systeme
Retainbewusst (vorerst) im Bestand belassenSysteme mit hoher Kopplung, regulatorischen Hürden oder naher Ablösung

In realen Portfolios kommt fast immer eine Mischung zum Einsatz — die Strategie wird pro Anwendung entschieden, nicht pauschal für die gesamte Landschaft.

Mehr als ein Umzug: Cloud-Native als Zielbild

Die versprochenen Vorteile der Cloud — Elastizität, kürzere Release-Zyklen, geringerer Betriebsaufwand — entstehen nicht durch den Ortswechsel, sondern durch die Architektur: Container und Orchestrierung (Docker, Kubernetes), Managed Services statt Eigenbetrieb, Infrastruktur als Code (etwa Terraform), automatisierte CI/CD-Pipelines und häufig eine Zerlegung in Microservices oder eventgetriebene Systeme.

Ein reiner Lift-and-Shift übernimmt dagegen Dimensionierung und Architektur des Rechenzentrums 1:1 in die Cloud — und wird damit häufig teurer als vorher, weil rund um die Uhr Kapazität bezahlt wird, die on-premises bereits abgeschrieben war.

Regulierte Branchen: Souveränität als Rahmenbedingung

Für Banken, Versicherungen und kritische Infrastruktur stoßen klassische Public-Cloud-Setups schnell an harte rechtliche, regulatorische und datenschutzrechtliche Grenzen (etwa BaFin-Vorgaben und DSGVO). Gangbare Antworten sind hybride Architekturen und Private-Cloud-Umgebungen in deutschen oder europäischen Rechenzentren sowie Architekturen, die mit Sovereign-Cloud-Initiativen wie Gaia-X kompatibel sind. Die Wahl des Anbieters — ob AWS, Azure oder ein europäischer Hoster — sollte dabei herstellerneutral nach den wirtschaftlichen und regulatorischen Kriterien des konkreten Anwendungsfalls erfolgen, nicht nach Anbieter-Roadmaps.

Cloud-Migration in der Praxis: wann sie sich nicht lohnt

Nicht jede Anwendung gehört in die Cloud — eine ehrliche Bestandsaufnahme je Anwendung steht deshalb vor jeder Strategie:

  • Stabile, vorhersagbare Last: Läuft ein System gleichmäßig auf vorhandener Hardware, ist der Eigenbetrieb oft günstiger — Elastizität nützt nur bei schwankender Last.
  • Nahe Ablösung: Für Systeme, die ohnehin bald abgeschaltet oder ersetzt werden, lohnt der Migrationsaufwand nicht mehr.
  • Daten- und Latenzanforderungen: Hohe Datentransferkosten oder harte Latenzvorgaben können gegen die Cloud sprechen.
  • Migration ohne Zielbild: Wer nur den Standort wechselt, ohne Architektur und Betrieb anzupassen, bezahlt denselben Zustand teurer.

Auch die Rückführung einzelner Workloads aus der Cloud (Repatriation) kommt in der Praxis vor — sie ist kein Scheitern, sondern Teil einer laufenden Portfolio-Steuerung.

Häufige Fragen

Was bedeutet Lift-and-Shift?
Lift-and-Shift (Rehosting) ist die einfachste Migrationsstrategie: Die Anwendung wird unverändert vom eigenen Rechenzentrum auf Cloud-Infrastruktur verschoben. Das geht schnell und minimiert das Änderungsrisiko — hebt aber kaum Cloud-Vorteile, weil Architektur und Dimensionierung des Rechenzentrums 1:1 übernommen werden. Häufig ist es der erste Schritt, dem eine schrittweise Modernisierung folgt.
Ist die Cloud automatisch günstiger als das eigene Rechenzentrum?
Nein. Stabile, gut vorhersagbare Last läuft auf vorhandener, abgeschriebener Hardware oft günstiger. Kostenvorteile entstehen vor allem bei schwankender Last (Elastizität), durch Managed Services statt Eigenbetrieb und durch eine Architektur, die Ressourcen bedarfsgerecht nutzt. Ein reiner Lift-and-Shift wird ohne diese Anpassungen häufig teurer als der bisherige Betrieb.
Was ist eine Sovereign Cloud?
Eine Cloud-Umgebung, bei der Datenhaltung, Betrieb und rechtlicher Rahmen unter europäischer beziehungsweise nationaler Kontrolle stehen — etwa durch Rechenzentren in Deutschland, europäische Betreiber oder Architekturen nach Standards von Initiativen wie Gaia-X. Relevant ist das vor allem für regulierte Branchen wie Banken, Versicherungen und kritische Infrastruktur, in denen DSGVO und Aufsichtsvorgaben (etwa der BaFin) Grenzen für klassische Public Clouds setzen.

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Fachlich geprüft von Holger Schill, Executive Vice President Cloud & Enterprise am 20. Juli 2026