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Cybersecurity Claim

Ein Cybersecurity Claim ist nach ISO/SAE 21434 eine dokumentierte Begründung, warum es vertretbar ist, ein Risiko zu teilen oder zu behalten. Claims entstehen in der Konzeptphase aus der Risikobehandlung der TARA, genau wie die Cybersecurity Goals. Ein Goal sagt, was geschützt werden muss. Ein Claim sagt, warum ein Risiko nicht weiter gesenkt wird.

Wann ein Claim nötig ist

Die Norm verlangt einen oder mehrere Claims, wenn die Risikobehandlung eines Bedrohungsszenarios eine dieser Entscheidungen enthält:

  • das Risiko teilen, etwa per Vertrag oder Versicherung;
  • das Risiko behalten, weil die Analyse auf Annahmen beruht.

Eine Anmerkung in Clause 15 geht weiter: Begründungen fürs Behalten und fürs Teilen werden als Claims festgehalten. Die Anforderung in Clause 9 ist enger: Ein kleines Risiko, das man ohne Annahme behält, braucht nach ihr keinen Claim. Begründen sollte man die Entscheidung trotzdem, denn die Verifikation prüft jede Entscheidung gegen das Ergebnis der Analyse.

Claims und Annahmen

Gibt die Item Definition nicht genug her, darf die Analyse fehlende Informationen annehmen. Annex H nimmt für das Scheinwerfer-Beispiel an, dass das Navigationssteuergerät eine Firewall gegen ungültige Kommunikation von außen hat und das Gateway starke Controls, entwickelt nach CAL 4. Behielte man ein Risiko mit Verweis auf diese Firewall, wäre ein Claim fällig. Annex H selbst zeigt keinen Claim, denn beide Beispielszenarien werden dort reduziert.

Claims wirken auch nach vorn. Das Cybersecurity Concept muss sie berücksichtigen, wenn es die Controls beschreibt, und seine Verifikation prüft, ob es zu den Claims passt.

Claims muss man im Blick behalten

Ein Goal wird irgendwann erfüllt und nachgewiesen. Ein Claim ist eine Aussage über die Welt außerhalb des Items, und die ändert sich. Deshalb fließen Claims laut Norm in das Cybersecurity Monitoring ein. Die Validierung auf Fahrzeugebene prüft, ob sie noch gelten. Wer ein Item wiederverwendet, muss prüfen, ob sie nach den Änderungen noch tragen. Und wer eine Komponente integriert, die ohne konkreten Fahrzeugkontext entwickelt wurde, muss deren Claims und Annahmen validieren.

Ein Risiko wegen einer Annahme zu behalten, macht in der TARA die wenigste Arbeit. Danach muss man es aber beobachten, solange das Item im Feld ist. Das geht nur, wenn sichtbar bleibt, worauf der Claim beruht. In itemis SECURE ist eine Annahme deshalb ein eigenes Objekt, das genau in den Angriffspfaden wirkt, für die sie gilt. Auch deshalb ist eine TARA nie abgeschlossen, sondern wird als Living TARA weitergepflegt. Den Überblick über alle Schritte gibt unser Artikel zur TARA.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Cybersecurity Claim und Cybersecurity Goal?
Beide entstehen in der Konzeptphase aus der Risikobehandlung. Ein Goal folgt aus der Entscheidung, ein Risiko zu reduzieren, und sagt, was geschützt werden muss. Ein Claim folgt aus der Entscheidung, ein Risiko zu teilen oder wegen einer Annahme zu behalten, und sagt, warum das vertretbar ist.
Ist ein Claim dasselbe wie eine Annahme?
Nein. Eine Annahme ist eine Information, die die Analyse voraussetzt. Ein Beispiel: Jede Zertifizierungsstelle, auf die sich das Item verlässt, wird ordentlich betrieben. Ein Claim ist die Begründung einer Risikoentscheidung und stützt sich oft auf solche Annahmen. Fällt die Annahme, wackelt der Claim.
Wo spielen Claims nach der Konzeptphase eine Rolle?
An mehreren Stellen. Sie fließen in das Cybersecurity Monitoring ein. Die Validierung auf Fahrzeugebene prüft, ob sie noch gelten. Und wer ein Item wiederverwendet, muss prüfen, ob die Claims und die früheren Annahmen nach den Änderungen noch tragen.
Fachlich geprüft von Jens Bühl, Product Owner am 30. Oktober 2026