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KerML (Kernel Modeling Language)

KerML (Kernel Modeling Language) ist die von der OMG (Object Management Group) standardisierte Basissprache, auf der SysML v2 aufbaut. Sie definiert die Kernkonzepte der Modellierung und die formale Semantik, die darauf aufbauende Sprachen wiederverwenden und spezialisieren: allen voran SysML v2, doch der Kern steht auch anderen Sprachen offen.

Warum eine Kernsprache?

SysML v1 war als Profil der UML definiert und erbte damit ein für die Softwaremodellierung entworfenes Fundament, einschließlich seiner semantischen Lücken. Mit v2 hat die OMG die Zuständigkeiten getrennt: KerML liefert einen kleinen, formal definierten Kern; SysML v2 setzt das Systems-Engineering-Vokabular obenauf. Diese Schichtung hält den Sprachaufbau sauber und öffnet das Fundament für Wiederverwendung: Domänenspezifische Erweiterungen und eigene Sprachen können auf demselben Kern aufbauen und bleiben mit SysML-v2-Modellen interoperabel.

Drei Schichten

KerML ist in drei aufeinander aufbauenden Schichten organisiert:

SchichtInhalt
RootSyntaktische Grundelemente: Elemente, Beziehungen, Annotationen, das Rohmaterial jedes Modells
CoreDie formale Basis: Typen, Classifier, Features und Spezialisierung, mit präzise definierter Semantik
KernelAllgemeine Modellierungskonstrukte: Klassen, Strukturen, Verhalten, Funktionen, Assoziationen und Verbindungen

SysML v2 spezialisiert diese Kernel-Konstrukte zu Systems-Engineering-Konzepten: Ein part def ist letztlich ein spezialisierter KerML-Classifier, eine Verbindung eine spezialisierte Assoziation. Auch das Definition/Usage-Prinzip, das ganz SysML v2 prägt, hat hier seinen Ursprung.

Formale Semantik

Der wesentliche Unterschied zum UML-Fundament ist die semantische Präzision. KerML verankert die Bedeutung seiner Konzepte mathematisch, über eine semantische Modellbibliothek und formale Logik, statt sie in Prosa zu beschreiben. Modellelemente haben dadurch eine maschinell interpretierbare Bedeutung: Werkzeuge können Konsistenz prüfen, Sichten ableiten und über Modelle schlussfolgern, statt bloß Diagramme zu speichern. Auf dieser Präzision beruhen die automatisierten Analysemöglichkeiten von SysML v2 und seine werkzeugübergreifende Interoperabilität.

KerML in der Praxis

Die meisten Systems Engineers schreiben nie direkt KerML; sie modellieren in SysML v2 und profitieren indirekt vom Kern, über eine Sprache, die sich über Konstrukte und Werkzeuge hinweg konsistent verhält. Direkt relevant wird KerML für Werkzeughersteller, die SysML v2 implementieren, für Language Engineers, die es erweitern, und für Teams, die eine domänenspezifische Sprache erwägen: Der Kern bietet ein standardisiertes, formal fundiertes Fundament, auf dem sich aufbauen lässt, statt bei null zu starten.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Wie hängen KerML und SysML v2 zusammen?
KerML ist das Fundament, SysML v2 die darauf aufbauende Systems-Engineering-Sprache. KerML definiert die Kernkonzepte (Typen, Features, Spezialisierung, Verbindungen) und die formale Semantik; SysML v2 spezialisiert sie zu Systems-Engineering-Vokabular wie Part Definitions, Anforderungen und Actions. Diese Aufteilung ersetzt den UML-Profilmechanismus, auf dem SysML v1 basierte.
Müssen Systems Engineers KerML lernen?
In der Regel nicht. Praktiker modellieren in SysML v2 und begegnen KerML nur indirekt, über das konsistente Verhalten der Sprache. KerML wird relevant für Werkzeughersteller, Language Engineers und Methodenverantwortliche, also für alle, die SysML v2 implementieren, erweitern oder eine eigene Modellierungssprache auf demselben Fundament aufbauen.
Was unterscheidet KerML von der UML als Fundament?
UML wurde für die Softwaremodellierung entworfen; SysML v1 musste als Profil um dieses Erbe herumarbeiten. KerML ist eigens als Kernsprache entworfen: ein kleiner Satz von Konzepten mit mathematisch fundierter, maschinell interpretierbarer Semantik und einer gleichwertigen textuellen Notation. Diese Präzision ermöglicht die automatisierte Analyse und verlässliche Werkzeug-Interoperabilität in SysML v2.
Fachlich geprüft von Benjamin Alders, Principal Systems Engineer am 14. August 2026