Requirements Coverage
Requirements Coverage (Anforderungsabdeckung) bezeichnet den Grad, zu dem Anforderungen durch andere Entwicklungsartefakte abgedeckt sind — typischerweise durch Testfälle. Eine Anforderung gilt als „abgedeckt", wenn sie direkt oder indirekt über Trace-Links mit mindestens einem Artefakt des Zieltyps verknüpft ist. Voraussetzung für die Messung ist deshalb Requirements Traceability.
Wie sich Coverage in der Praxis sinnvoll definieren und analysieren lässt, beschreibt unser Artikel Was ist Requirements Coverage und wie lässt sie sich analysieren?
Warum ist der Begriff nicht eindeutig?
Requirements Coverage ist nicht einheitlich definiert: Die meisten verfügbaren Definitionen sind an kommerzielle Anforderungsmanagement-Tools gebunden und beschränken sich auf die direkte Beziehung zwischen Anforderung und Testfall. Gleichzeitig fordern Prozessstandards wie Automotive SPICE, dass die Auswahl der Testfälle eine ausreichende Abdeckung gewährleistet — besonders in sicherheitskritischen Entwicklungen. In der Praxis muss die Coverage-Definition deshalb an den eigenen Entwicklungsprozess angepasst werden.
Direkte vs. transitive Coverage
Im Entwicklungsprozess nach dem V-Modell reicht die direkte Beziehung zwischen Anforderung und Testfall nicht aus:
- Direkte Coverage: Eine Anforderung ist mit mindestens einem Testfall auf derselben Ebene verknüpft.
- Transitive (tiefe) Coverage: Eine Anforderung gilt erst dann als abgedeckt, wenn auch alle daraus abgeleiteten Anforderungen tieferer Ebenen — rekursiv — abgedeckt sind. Eine Kundenanforderung ist also erst „durch Tests abgedeckt", wenn die gesamte Ableitungskette bis zu den Low-Level-Tests geschlossen ist.
So lassen sich abgestufte Fortschrittsaussagen treffen — etwa: eine Kundenanforderung ist analysiert (durch High-Level-Anforderungen abgedeckt), implementiert (tief durch Low-Level-Anforderungen abgedeckt) oder abgedeckt (tief durch Testfälle abgedeckt).
Coverage-Analyse in der Praxis
Der verbreitete Einstiegsansatz ist eine Traceability-Matrix — bei mehreren V-Modell-Ebenen und Tausenden Artefakten wird sie jedoch schnell unwartbar. Skalierbare Coverage-Analysen erfordern ein dediziertes Traceability-Tool mit dynamischen Abfragen über den Artefakt-Graphen. Mehr dazu auf unserer Seite Requirements Traceability.


