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Risk Value (Risikowert)

Der Risk Value (Risikowert) ist das Ergebnis der Risikobestimmung nach ISO/SAE 21434. Jedes Bedrohungsszenario bekommt einen eigenen. Er ergibt sich aus dem Impact der zugehörigen Schadensszenarien und der Attack Feasibility der zugehörigen Angriffspfade. Er liegt zwischen 1 und 5; die 1 steht für minimales Risiko. In itemis SECURE heißt dieselbe Größe Risk Level (RL).

Matrix oder Formel

Wie aus den beiden Größen eine Zahl wird, lässt die Norm offen. Sie nennt Risikomatrizen und Risikoformeln als Beispiele, und Annex H zeigt beides. Die Beispielmatrix sieht so aus:

Impact \ FeasibilityVery lowLowMediumHigh
Severe2345
Major1234
Moderate1223
Negligible1111

Als Formel schlägt Annex H R = 1 + I × F vor, mit Zahlenwerten von 0 bis 2 für Impact und Feasibility. Für die beiden Szenarien im Beispiel kommt dasselbe heraus wie mit der Matrix. Mehr behauptet die Norm auch nicht. In anderen Feldern weichen die Ergebnisse ab: Severe bei very low ergibt nach der Formel 1, in der Matrix 2.

Was in der Matrix steckt

In der Zeile negligible steht überall eine 1. Wo der Schaden vernachlässigbar ist, ändert die Angriffsseite nichts mehr. In der Zeile severe fällt der Wert nie unter 2. Ein schwerer Schaden landet also nie beim Minimum, egal wie aufwendig der Angriff ist. Und in der Zeile moderate stehen bei low und bei medium jeweils eine 2. Eine Maßnahme, die einen Pfad von medium auf low drückt, ändert dort nichts am Risikowert.

Deshalb sollte die Organisation die Matrix einmal festlegen, statt sie jedem Projekt zu überlassen. Wer sie pro TARA anpasst, bekommt Risikowerte, die gleich aussehen, aber Verschiedenes bedeuten.

Mehrere Pfade, mehrere Schäden

Hat ein Szenario mehrere Angriffspfade, darf man ihre Ratings zusammenfassen, im Beispiel der Norm über das Maximum. Hängt es an mehreren Schadensszenarien oder Impact-Kategorien, darf es je Impact Rating einen eigenen Risikowert bekommen. Annex H schreibt deshalb “S: 5” für das Spoofing der Lichtanforderung: Der leichteste Pfad führt über Mobilfunk und ist high, der Schaden in der Kategorie Safety ist severe.

Was danach kommt

Der Risikowert ist die Grundlage der Risikobehandlung. Die Norm nennt keine Schwelle, ab der ein Risiko reduziert werden muss. Die Zahl liefert ein Argument. Entscheiden muss man trotzdem selbst. Wie Impact und Feasibility entstehen, beschreiben unsere Artikel zu Asset Identification und Impact Rating und zu Bedrohungsszenarien und Angriffspfaden.

Verwandte Begriffe

Häufige Fragen

Muss man die Risikomatrix aus Annex H verwenden?
Nein. Annex H ist informativ, und die Norm spricht selbst von Matrizen, die die Organisation festlegt. Auch eine Formel ist erlaubt, ebenso eigene Skalen, solange sie sich auf die Skalen der Norm abbilden lassen. Verlangt ist nur ein Ergebnis zwischen 1 und 5.
Ab welchem Risikowert muss ein Risiko reduziert werden?
Das sagt die ISO/SAE 21434 nicht. Für die Risikobehandlung verlangt sie eine Entscheidung, die den Risikowert berücksichtigt, nennt aber keine Schwelle. An anderer Stelle fordert die Norm nur, dass keine unvertretbaren Risiken übrig bleiben. Wo diese Grenze liegt, legt die Organisation fest. Am besten schriftlich.
Was ist der Unterschied zwischen Risk Value und Risk Level?
Beide meinen dieselbe Größe. Risk Value ist der Begriff der Norm. itemis SECURE nennt sie Risk Level (RL) und berechnet sie über eine konfigurierte Risikotabelle aus Attack Feasibility Level (AFL) und Impact Level (IL).
Fachlich geprüft von Jens Bühl, Product Owner am 30. Oktober 2026