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SBOM (Software Bill of Materials)

Eine SBOM (Software Bill of Materials) ist die maschinenlesbare Stückliste aller Softwarekomponenten eines Produkts, inklusive Open-Source-Bibliotheken. Der EU Cyber Resilience Act verlangt sie als Teil der technischen Dokumentation — gängige Formate sind SPDX und CycloneDX. Wie die Zutatenliste auf einer Lebensmittelverpackung macht die SBOM transparent, was in einer Software tatsächlich steckt.

Was steht in einer SBOM?

Eine SBOM inventarisiert die Bestandteile einer Software: eigene Module, zugekaufte Komponenten und Open-Source-Bibliotheken samt ihrer transitiven Abhängigkeiten. Zu jeder Komponente gehören typischerweise Name, Version, Hersteller bzw. Herkunft, Lizenzinformationen und eindeutige Identifikatoren. Erst diese Detailtiefe erlaubt es, eine neu bekannt gewordene Schwachstelle (CVE) automatisiert gegen den eigenen Produktbestand abzugleichen.

Formate: SPDX und CycloneDX

Damit SBOMs werkzeugübergreifend verarbeitet werden können, haben sich zwei maschinenlesbare Formate etabliert:

FormatHerkunftBesonderheit
SPDXLinux FoundationAls ISO/IEC 5962 international standardisiert, historisch stark im Lizenz-Compliance-Umfeld
CycloneDXOWASP FoundationAuf Security-Anwendungsfälle ausgelegt, verbreitet in Vulnerability-Management-Werkzeugketten

Beide Formate erfüllen den Zweck einer maschinenlesbaren Stückliste — wichtiger als die Formatwahl ist, dass die SBOM automatisiert im Build-Prozess erzeugt wird und nicht von Hand gepflegt werden muss.

Die SBOM im Cyber Resilience Act

Der CRA macht die SBOM zur Herstellerpflicht: Anhang I Teil II verlangt sie als Teil der Anforderungen an die Schwachstellenbehandlung, und wie die übrige technische Dokumentation ist sie mindestens zehn Jahre nach Inverkehrbringen aufzubewahren. Ihre eigentliche Bedeutung zeigt sich aber bei den Meldepflichten, die ab dem 11. September 2026 gelten: Ob ein neues CVE in einer Drittkomponente das eigene Produkt betrifft, lässt sich nur mit sauberen Stücklisten beantworten. Ohne maschinenlesbares Wissen, welche Komponente in welcher Produktversion steckt, wird schon die 72-Stunden-Meldung zur Recherchearbeit.

SBOM in der Praxis: Ein lebendes Dokument, kein Einmal-Export

Eine SBOM, die einmal beim Release erzeugt und dann abgelegt wird, verliert mit jedem Update ihren Wert. In der Praxis bewährt sich die automatische Generierung in der CI/CD-Pipeline, sodass jede ausgelieferte Produktversion eine aktuelle Stückliste hat. Der zweite Schritt ist der kontinuierliche Abgleich der SBOM-Komponenten gegen neue Schwachstellenmeldungen — erst diese Verbindung aus Stückliste und Vulnerability-Triage macht aus der Dokumentationspflicht ein funktionierendes Schwachstellenmanagement.

Häufige Fragen

Ist eine SBOM unter dem Cyber Resilience Act Pflicht?
Ja. Anhang I Teil II des CRA verlangt von Herstellern eine Software Bill of Materials als Teil der Anforderungen an die Schwachstellenbehandlung. Sie muss in einem maschinenlesbaren Format erstellt und gepflegt werden und ist mit der übrigen technischen Dokumentation mindestens zehn Jahre aufzubewahren.
Muss die SBOM veröffentlicht werden?
Nein, eine generelle Veröffentlichungspflicht gibt es nicht. Die SBOM gehört zur technischen Dokumentation, die der Hersteller pflegt und auf Verlangen den Marktüberwachungsbehörden vorlegt. Ob sie darüber hinaus mit Kunden geteilt wird, ist eine vertragliche Frage — in Lieferketten wird das zunehmend eingefordert.
SPDX oder CycloneDX — welches Format soll ich wählen?
Beide Formate sind maschinenlesbar und für den CRA geeignet. SPDX stammt aus der Linux Foundation und ist als ISO/IEC 5962 standardisiert, CycloneDX kommt von der OWASP Foundation und ist stark im Security-Umfeld verbreitet. Entscheidend ist weniger das Format als die automatisierte Erzeugung im Build-Prozess, damit die SBOM aktuell bleibt.

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Fachlich geprüft von Dirk Leopold, Executive Vice President Digital Engineering am 20. Juli 2026