TARA (Threat Analysis and Risk Assessment)
TARA (Threat Analysis and Risk Assessment) ist die Bedrohungsanalyse und Risikobewertung der ISO/SAE 21434. Sie ermittelt strukturiert, welche Assets eines Fahrzeugs oder einer Komponente schützenswert sind, wie ein Angreifer sie kompromittieren könnte, wie schwer der Schaden wäre und wie die Risiken behandelt werden. Wichtig für die Einordnung: Eine TARA ist keine Liste gefundener Bedrohungen, sondern ein nachvollziehbarer Nachweis von Risikoentscheidungen.
Eine ausführliche Einführung mit Praxisbeispielen — inklusive der Frage, ab wann eine Tabelle nicht mehr reicht — gibt unser ausführlicher Artikel zur TARA.
Die vier Schritte einer TARA
- Item Definition: Festlegen, was betrachtet wird — das Item mit Funktionen, Komponenten, Kanälen und Datenflüssen, dazu Annahmen und Systemgrenze.
- Asset Identification & Impact Rating: Assets identifizieren, an denen eine Sicherheitseigenschaft hängt (Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit), Schadensszenarien ableiten und den Impact Level (IL) bewerten — etwa über Safety-, finanzielle, operative und Privatsphäre-Folgen.
- Threat Analysis: Bedrohungsszenarien und Angriffsschritte ableiten und die Durchführbarkeit jedes Angriffs bewerten — das Ergebnis ist der Attack Feasibility Level (AFL) nach der Methodik der Norm.
- Determine Risks: Impact und Attack Feasibility ergeben über eine definierte Risikomatrix den Risk Level (RL). Für jedes Risiko fällt eine Behandlungsentscheidung: reduzieren, vermeiden, teilen oder akzeptieren — jeweils mit Begründung.
Eingeführte Maßnahmen sind selbst wieder neue Assets: Eine TARA ist iterativ und wird wiederholt, bis das Restrisiko vertretbar ist.
Einordnung: ISO/SAE 21434 und UNECE R155
Die TARA sitzt in der Konzeptphase der ISO/SAE 21434 (Clause 9) und ist der primäre technische Nachweis für die Typgenehmigung nach UNECE R155: Ohne belastbare TARA kein nachgewiesenes Cybersecurity Management System (CSMS) — und damit kein Marktzugang in den betroffenen Märkten. Über Automotive hinaus trägt dieselbe Methodik die Cyber-Risikobewertung, die der EU Cyber Resilience Act für Produkte mit digitalen Elementen verlangt.
TARA in der Praxis
Die TARA ist ein lebendes Dokument (siehe Living TARA): Neue Schwachstellen und Angriffstechniken erfordern eine Neubewertung bestehender Entscheidungen, weshalb die ursprüngliche Begründung dokumentiert und wiederauffindbar sein muss. Für die ersten Schritte reicht eine Tabelle — an Umfang, Änderungen und Konsistenz über viele Angriffspfade hinweg stößt sie jedoch schnell an Grenzen. Wie dieser Übergang aussieht, beschreibt der Artikel zur TARA im Detail.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen TARA und HARA?
Ist eine TARA mit der ersten Erstellung abgeschlossen?
Ist eine TARA auch außerhalb von Automotive relevant?
Verwandte Begriffe
- ISO/SAE 21434 & IEC 62443: Cybersecurity für Automotive und Industrie
- Living TARA: Warum der Cyber Resilience Act Ihren Engineering-Prozess verändert, nicht Ihre Dokumentation
- CRA-Risikoanalyse mit Excel: Anfangen, importieren, skalieren
- Was ist eine TARA? Und warum eine Tabelle irgendwann nicht mehr reicht


